Souveräner Gruppensieg bei der Jägermeister Rock:Liga


Am vergangenen Freitag kam es in Dresden zur Entscheidung in der Gruppe B der Jägermeister Rock:Liga.

Drei Bands, drei Spielzeiten à 45 Minuten und das Publikum entscheidet, wer den Abendsieg nach Hause trägt. So funktioniert die Jägermeister Rock:Liga, deren Gruppe B der laufenden Saison am vergangenen Freitag zu einer Entscheidung fand. Der Abend im Alten Schlachthof in Dresden wurde eröffnet vom Official Secrets Act aus London. Die Briten schafften es mit ihrem Sound zwischen britisch-geprägtem Indierock und theatralischem 80er-Glam nicht so ganz, auch die hintersten Reihen mitzureißen. Eigentlich schade, denn Sänger Tom Charge Burke gab leicht überdreht aber perfekt frisiert einen durchaus überzeugenden Frontmann. Und auch Songs wie die aktuelle Single „So Tomorrow“ hätten die nötige Strahlkraft gehabt.Wenn es dann also auch nicht ganz reichte, bleibt die Einsicht, dass an Burkes Stimme sicherlich noch öfter hören wird. Diese Tonlage irgendwo zwischen Suedes Brett Anderson und James Dean Bradfield ist einfach zu einzigartig, als dass man sie vergessen sollte. Man müsste dem Official Secrets Act nur endlich mal die Keyboards wegnehmen, die in einigen Songs wahrlich nerven. Die Pariser Teenagers machten dann in der zweiten Spielzeit ihrem Namen alle Ehre und sorgten dafür, dass zumindest bei ihrem Hit „Homecoming“ der tatsächliche Teenagernachwuchs auf der Bühne in der Überzahl war. So kam es also zu der erziehungsbedenklichen Szene, die man bisher auf all ihren Konzerten sehen konnte: Junge, gerade volljährige Mädels gröhlen gemeinsam die zynische Boy-uses-Girl-Hymne, in der ein Mädchen singt „I love my english romance“, während der männliche Part seine Sicht auf die Liaison der beiden so auf den Punkt bringt: „I fucked my american cunt.“Leider hatte das Trio aus Paris neben den Songs ihres schon ein wenig verbrauchten Albums „Reality Check“ nix großartig Neues im Programm. Man wurde also gut unterhalten – aber mehr dann eben auch nicht.Hot Hot Heat waren dann zwar offiziell die dienstälteste Band des Abends (ihr erstes Album erschien bereits 2001), aber das merkte man auf der Bühne nun wirklich nicht. Die Kanadier, die gerade in ihrem bandeigenen Studio in Vancouver am letzten Schliff ihres neuen Albums feilen, gaben alles und wirkten nicht einen Tag älter als z. B. 2005, wo ihre Single „Good Night, Good Night“ aus keiner Indiedisse mehr rauszudenken war und sie auf großen Festivalbühnen standen. Vor allem Steve Bays, der energische rothaarige Lockenkopf mit der außergewöhnlichen Stimme, schaffte es, Keyboarder und Frontmann zugleich zu sein. Man konnte den vier Musikern geradezu ansehen, dass sie entschlossen sind, wieder um das Publikum zu kämpfen, dass sie – zwecks Studiobau und Albumaufnahme – ein paar Jahre allein gelassen hatten. Der erwähnte Hit, aber auch Songs wie „No, Not Now“ oder der Titelsong des für Sommer angekünditen Albums „Future Breeds“ hielten das Publikum über die gesamte Spielzeit bei Laune und in Bewegung. Als Moderator Bosse am Ende den Applausmesser anschmiss, brauchte es kein Fotofinish mehr, um klarzumachen, wer gewonnen hat. Damit werden Hot Hot Heat beim Finale am 29.05. in Berlin dabei sein, wo sie gegen The Films und den Sieger der Gruppe C antreten werden. Die startet bereits Ende März in Leipzig und lässt mit Hadouken!, Datarock und Does It Offend You, Yeah! gleich drei Electrolärmer aufeinander los.Hier die Daten:22.03. Leipzig, Werk 223.03. Frankfurt, Batschkapp24.03. Stuttgart, Longhorn25.03. Freiburg, Jazzhaus26.03. München, Backstage Werk

Daniel Koch – 03.03.2010