My Chemical Romance – Köln, E-Werk


Kreischende Teenies, staunende Altmetaller und hüpfwütige Emo-Corler bei MCR bleibt kein T-Shirt trocken.

Er ist einer für alle, und das im besten Sinn: Gerard Way steht in Uniform und mit wasserstoffblonden Haaren auf der Bühne des E-Werks und gibt die gebündelte Subkultur. Er erinnert an das Ungelenke des frühen Billy Corgan, das Zeremonienmeisterhafte von Freddie Mercury und das Verausgabungswütige von Billy Joe Armstrong. Vorbilder, von denen der 29-Jährige viel gelernt hat. Etwa, was es heißt, einer massenkompaliblen Band mit Mission vorzustehen. Letztere besteht an diesem Abend ganz klar darin, das neue Album the Black parade so rüberzubringen, wie es konzipiert ist: als große Rock-Oper, die MCR im eleganten Einheitslook aufführen, wobei sie zwar aus Budget-Gründen (noch] auf Bühnen-Aufbauten verzichten, aber zumindest in Sachen Licht und Sound Maßstäbe setzen. Getaucht in nettes Smaragdgrün oder sphärisches Lila, wird zunächst die exakte Reihenfolge des Tonträgers eingehalten: „The End‘,“.Dead!“ und „This Is How I Disappear“. Doch so richtig springt der Funke nicht über. Vielleicht, weil das Album zu diesem Zeitpunkt erst eine Wocheaufdem Markt und der Gewöhn- und Kennenlernprozess noch im vollen Gange ist. Doch ein Ausflug in den Sackkatalog wirkt Wunder: „l’m Not Okay (I Promise)“,“.Cemetery Drive“ und „Our Lady Of Sorrows betonen die punkige, ungestüme Seite des Quintetts, die alle genießen. Die 2.000 Fans kreischen und hüpfen. Gitarrist Frank lero pflügt mit seinem Instrument die Bühne um, Drummer Bob Bryar vermöbelt seine Felle, Ray Toro feuert ein Solo nach dem änderen ab, und Gerard ist Zampano und Schreihals in Personalunion. Dann der zweite Anlauf mit neuen Songs – und diesmal klappt’s:“.Mama“ beschwört den Cabaret-Sound von Brecht und Weill. Die aktuelle Single „Welcome To The Black Parade“ ist eine einzige Jubel-Orgie, und ein geschicktes Wechselspiel aus Alt (.Thank You For The Venom‚) und Neu („Famous Last Words“) sorgt für spannende Kurzweil. Dann noch der Zugabenblock (Cancer“, „Helena“] und der Hinweis, dass man sich nächstes Jahr im März wiedersehen wird. Dann – Gerard Way hat’s prophezeit – mit einem Metropolis-Nachbau als Bühnenbild. Und „We Will Rock You“ als Intromusik? Obwohl: besser nicht.

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