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Thema: Und wie war's?

  1. #766
    Groovekommando Rübenstier Avatar von King Bronkowitz
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    INVASION DER ARSCHFICKER

    Versuch einer Kritik an Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten"




    Wenn man es- in einem Anfall von Masochismus- auf sich genommen hat, eine 1359seitige Dummschwarte zu lesen, darf man sich auch dazu berufen fühlen, der Welt seine Eindrücke mitzuteilen.


    Zunächst einmal zur Handlung: Dr. Maximilian Aue, ehemaliger Obersturmbannführer der SS, schreibt im vorgerückten Alter seine Memoiren. Schonungslos, natürlich.
    Aufgerollt wird die komplette Geschichte des Zweiten Weltkriegs samt Ermordung von 6 Millionen Juden bis zum lugubren Ende im zerbombten Berlin, wo der Russ' bereits auf der Fußmatte steht.
    Soweit, so gut. Das liest sich zumindest in den nüchtern formulierten, historisch nachvollziehbaren Abschnitten fesselnd, fundiert und halbwegs bestürzend.
    Was heißen will, daß Littell ein guter Sachbuchautor wäre.Leider sieht er sich aber als Romancier, als ein Künstler gar. Und ab da wird es wirklich grauenhaft.
    Denn natürlich hat Dr. Aue auch ein Privatleben, und das liest sich, wie am Reißbrett eines überambitionierten Kunstseminars zusammengepuzzelt. Er darf natürlich kein Biedermann mit einer halbwegs bürgerlichen Existenz sein; das wäre vermutlich zu unspektakulär, auch wenn es seinen Abstieg zum Erfüllungsgehilfen eines verbrecherischen Regimes wahrscheinlich authentischer gemacht hätte.
    Nein, die Kopfgeburt Dr. Aue ist ein deutsch- französischer homophiler Schöngeist mit einem Mutterkomplex und einer inzestuösen Liebe zu seiner Zwillingsschwester, dessen Mutter und Stiefvater im Lauf des Buches noch von einem Psychopathen ermordet werden, und der sich beim Onanieren gerne Würste und Besenstiele in den After einführt.
    Das eigentliche, vollmundig angekündigte Sujet, nämlich die Vernichtung von sechs Millionen Juden, rückt infolgedessen im Lauf des Buches immer mehr in den Hintergrund, denn der Platz wird für eine ausführliche Introspektive Aues benötigt.
    So wird der Leser nach Aues Verwundung in Stalingrad zunächst einmal mit einer genauso sinn- wie talentfreien Seitenschinderei malträtiert, die eine Abfolge von Traumbildern darstellen soll, was uns in eine sprachlich limitierte Bleiwüste von mehr als 20 Seiten führt, und zwar folgenden Inhalts:
    der verwundete Dr. Aue landet in seinem Fiebertraum im Zeppelin des Dr. Sardine (Zitat Eckhard Henscheid: "Wer hat da gelacht? Ach so, das war er selbst"), der zum Ende der Welt unterwegs ist. Und das liest sich noch grumpf- und sumpfdümmer, als es hier klingt.
    Aber damit fängt der Niedergang nach dem halbwegs passablen Start erst an: nächster Tiefpunkt ist jene Halluzination, in der Aue Adolf Hitler bei einer Rede plötzlich als Rabbiner am Pult stehen sieht. Erklärt wird das mit dem in Stalingrad erlittenen Kopfschuß, der eine Art drittes Auge zur Folge hatte, durch das Aue in der Lage ist, die Realität hinter allen Dingen zu erkennen.
    Die Frage ist damit nur, was uns diese Passage sagen will: daß Hitler in Wirklichkeit Jude war? Gern Jude gewesen wäre? Insgeheim die Juden bewunderte? Mit den Juden ein Stück Deutschland umbrachte? Daß nicht nur Aue einen Kopfschuß erlitten hat, sondern irgendwann auch der Autor? Dunkel bleibt der Worte Sinn.


    Aber die Geschichte ist noch lang, und Frankreich ist groß und von Menschen bevölkert, die sich schon für bedeutende Autoren halten, wenn in ihren Romanen nur ausreichend gewichst, geleckt und gearschfickt wird, und das möglichst "kontrovers", wenn nicht grad geschissen und gekotzt wird, am besten alles zusammen.
    Sei es Nicolas Jones-Gorlin mit "Rose Bonbon", sei es Catherine Millet mit ihren eigenen Fickgeschichten, hauptsache, es wird gepimpert, bis die Schwarte kracht, je expliziter und kontroverser, desto besser, desto subversiver, desto verkaufsfördernder. Ob da noch irgendwo Sinn und Verstand drinstecken, die Frage ist müßig.
    Davon abgesehen, daß alles mögliche erotische Konnotationen hervorruft (Beispiel: eine griechische Statue im Museum in Paris) muß auch Dr. Aue natürlich am Ende Gelegenheit bekommen, sich ausgiebig selbst zu befriedigen und dabei an seine Zwillingsschwester zu denken, in einem quälend langen Abschnitt mit Holzdildos, Kerzen im Arsch, seiner eigenen Scheiße und inzestuösen Phantasiebildern, bis man sich vor lauter Überdruß an der deutlich plazierten Stammhirnkacke des Autors Schilderungen der Tätigkeit des Protagonisten im KZ zurückwünscht, bevor Littell das Buch in einem von Zufällen Dickens'scher Dimension wimmelnden, plumpen, unbeholfen erdachten Schluß vor der völligen Ausfaserung rettet und wieder in die Spur zurückführt. Denkt er.


    Und was denke ich?
    Daß 6 Millionen toter Juden als Statisten für einen dummdreisten Kunstporno herhalten müssen, in dem der Protagonist als schicke Chocerie SS- Mann ist (auch so eine unselige literarische Masche aus vergangener Zeit)? Daß es toll ist, wie er am Ende die Bombardierung Berlins schildert, so daß auch die Deutschen noch ihr Stück vom Opferkuchen abhaben dürfen? Daß man sich solche veritablen Skandale wie die Selbstinszenierung eines Verbrechers wie Albert Speer als waschecht guten Nazi mit einhergehendem Nachkriegsruhm und -reichtum besser ohne pseudoliterarischen Überbau vor Augen führen sollte? Daß die Behängung dieses Machwerks mit Preisen ein Indiz für den verrotteten Kulturbetrieb ist, in dem die Schlüsselworte "Juden" und "Shoah" jeden Quatsch rechtfertigen?


    Immerhin: als Aue am Ende im Berliner Zoo einen toten Gorilla findet (natürlich sinnlos hingemetzelt von barbarischen Russen), der so "menschenähnlich aussieht, daß man erwartet, er würde gleich zu reden beginnen", mußte ich immerhin einmal lachen. Die unfreiwillige Komik ließ mich sogar im nächsten Augenblick meine Befürchtung vergessen, Aue würde nun auch noch den Gorilla in den Arsch ficken.
    Geändert von King Bronkowitz (21.05.2013 um 20:41 Uhr)

    "Identify the enemy. Remove the source of fear."

  2. #767
    freibeuter Avatar von faxefaxe
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    Nicht so gut das Buch?
    Zitat Zitat von overdressed0306 Beitrag anzeigen
    wann hört ihr eigentlich musik? irgendwie sind immer alle online in diesen foren...

  3. #768
    Other instruments Avatar von Lostflowerboy
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    Zitat Zitat von faxefaxe Beitrag anzeigen
    Nicht so gut das Buch?

  4. #769
    modest mouse Avatar von Berthold Heisterkamp
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    Ich kann die Kritik nachvollziehen. Die Einschätzung, was sein Talent als "Sachbuchautor" auf der einen und Romancier auf der anderen Seite angeht, kann ich voll teilen. Insgesamt komme ich zu einem etwas versöhnlicheren Fazit, mir war der Preis der miesen zweiten Hälfte nicht zu hoch für die tolle erste Hälfte. Ich hab das Ding aber auch in fünf Tagen im Urlaub durchgelesen, das ist man etwas versöhnlicher, weil der Scheißteil nicht so viel Lebenszeit gefressen hat.

    "The gloves are off, the wisdom teeth are out,
    what you on about?"


  5. #770
    Angorahäschen Avatar von oasupp
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    der einzige vorteil: man ist schnell durch. gegeben hat es mir aber nichts, weder in der ersten hälfte, noch in der zweiten.
    i know where syd barrett lives

  6. #771
    Avatar von MrMister7
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    Danke für den Tipp, dieses Machwerk niemals anzurühren.
    No disc, no fun.


  7. #772
    Groovekommando Rübenstier Avatar von King Bronkowitz
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    Ich war davon dermaßen angewidert und gelangweilt, daß ich nach fast 900 Seiten mit mir kämpfte, ob ich es ins Eck werfen soll. Dann dachte ich, den Rest schaffst du jetzt auch noch, dann kannst du wenigstens einen furiosen Verriß schreiben.
    Hätte ich allerdings geahnt, WIE unterirdisch das noch wird, hätte ich mir das geschenkt. Es gibt Dinge, die sind dermaßen eklig, daß man am Verursacher am liebsten physisch Rache nehmen würde.

    "Elementarteilchen" von Houellebecq ging mir in seiner Aneinanderreihung von Fickszenen auch grausam auf den Senkel. Aber der schafft immerhin den eigentlich unmöglichen Kunstgriff, dem ganzen auf den letzten 20 Seiten die entscheidende Wende zu verpassen, die dafür sorgt, daß alles einen Sinn ergibt.
    Das ist wohl der Unterschied zwischen einem guten Romancier und einer Tröte wie Littell.

    "Identify the enemy. Remove the source of fear."

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